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Leserbrief
zum Artikel Bambergs Erzbischof Gößl: Kritische Töne beim Heinrichsfest
vom 13.7.2025

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich bin strikt gegen Abtreibung! Das, was Erzbischof Herwig Gössl zur Nominierung der
Juristin Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin gesagt hat, ist aber in meinen Augen keine berechtigte Stellungnahme zu einer politischen Situation, sondern eine Provokation, eine bewusste Manipulation, eine gezielte Verächtlichmachung. Er malt ein Schreckgespenst an die Wand, wenn er „von einem Abgrund an Intoleranz und Menschenverachtung“ spricht, als müsse er in einem demokratischen Staat Gräueltaten aufzählen wie seinerzeit Kardinal Galen in Münster in seiner Predigt gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten.

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Es sei an den „Abgrund an Intoleranz und Menschenverachtung“ in unserer Kirche erinnert. Als der deutsche Papst Benedikt XVI. nach Deutschland, ins Land der Reformation gereist ist, hat er der evangelischen Kirche das Kirche-Sein abgesprochen. Die römische Kirchenleitung enthält immer noch Männern und Frauen, ihren eigenen Glaubenden, die gleichen Rechte vor und gibt sich gottgewollt als Zwei-Stände-Kirche aus – ohne jede Grundlage im Neuen Testament. Ihre Unbarmherzigkeit gegenüber geschieden Wiederverheirateten hat Menschen schier erdrückt. Der Umgang mit Betroffenen, mit Überlebenden sexualisierter und spiritueller Gewalt bleibt weit hinter dem zurück, was von christlichen Leitern zu erwarten ist.

„Wenn du mit einem Finger auf andere zeigst, zeigen drei auf dich selbst." Als Erzbischof, als Verantwortlicher für die Gegenwart und Zukunft der Kirche in Deutschland und weltweit, sollte er bestrebt sein, vor der eigenen Tür zu kehren. Dann können wir wieder der Aufforderung von Jesus, dem Christus entsprechen: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Magnus Lux
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